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Der Eiserne Sauerländer folgt seinem Vorbild, dem eisernem Gustav auf allen Stationen, wie es auch schon Heinz Rühmann im gleichnamigen Film gezeigt hat. Von Berlin über Magdeburg und Hannover bis nach Paris soll die Reise des Gespanns gehen. Der Eiserne Sauerländer, Franz-Josef Neuhaus (44), der pro Tag etwa 50 Kilometer zurücklegen wird, möchte auf diesem Wege auch für das ´Kinderhilfswerk für krebskranke Kinder´ Spenden einfahren. Er ist Bereits 1980 einmal mit dem Einspänner nach Frankreich gefahren, damals handelte es sich jedoch um eine Wette mit seinem Arbeitgeber.

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Roman von Hans Fallada

Der Film mit Heinz Rühmann

Der "Eiserne Gustav" in Paris

Ist das ein Ereignis! Ganz modern und doch der alten Zeit nachtrauernd. Eigentlich eine lokale Berliner Schnapsidee, aus der eine deutsch-französische Friedensgeste wird. Und das alles heute vor 70 Jahren oder 10 Jahre nach dem Ende der "Völkerschlacht" zwischen Deutschen und Franzosen. In diesem Jahr 1928 knallt am 2.April der 68 Jahre alte Droschkenkutscher Gustav Hartmann mit der Peitsche, sein Fuchswallach "Grasmus" trabt an, und ab geht die Kutschfahrt nach Paris und retour. Die Droschke hat übrigens die offizielle Registriernummer 120.

Jener Gustav Hartmann ist den Berlinern vertrauter als "Eiserner Gustav". Mit dieser seiner letzten Fahrt will er auf seine Weise gegen die Verdrängung der gemütlichen Pferdedroschken durch die ständig zunehmende Zahl von Automobilen protestieren. Und er will mit seiner 1-PS-Tour in die Hauptstadt des "Erzfeindes" für die Völkerverständigung zwischen Deutschen und Franzosen werben.

Über den Start am 2.April 1928 punkt 10 Uhr in Wannsee berichtet die Morgenpost: Die Droschke wurde mit Blumen, Würsten und Paketen beladen und mit Fähnchen und Girlanden geschmückt. Einen stärkenden Cognac lehnte der Eiserne Gustav ab: "Nix zu machen. So kommt man nicht nach Paris."

Erstes Etappenziel ist die Stadt Brandenburg. "Grasmus" muß ziemlich erschöpft gewesen sein, denn ausführlich berichtet die Morgenpost darüber, daß der "Eiserne Gustav" seinen treuen Vierbeiner "gründlichst" mit Stroh trocken reiben mußte. Gute Pferdepflege ist schon der halbe Weg nach Paris. Und auf dem ganzen Weg sitzt der Reporter der Berliner Morgenpost, Hans-Hermann Theobald, mit auf dem Kutschbock.

Nach 63 Tagen erreichen "Grasmus", der "Eiserne Gustav" und Morgenpost-Sonderkorrespondent Theobald am 4.Juni Paris. Der telegraphiert sogleich folgenden Bericht in die Kochstraße: "Was der Berliner Droschkenkutscher auf seiner Fahrt durch die Pariser Straßen erlebte, ist kaum zu schildern. Aus den großen Kaffeehäusern, aus den Waren- und Bürohäusern strömten die Menschen herbei, aus den Fenstern warfen ihm Frauen und Mädchen Kußhände zu. Immer wieder wurden Blumensträuße auf den Bock gereicht. Man drückte ihm im Vorbeifahren die Hand, man rief ,Bravo', man rief ,gut gemacht, gut gemacht Gustav', man winkte mit Hüten und Taschentüchern, man klatschte in die Hände. Ein Mann drängte sich an den Wagen und rief ,Es lebe Deutschland, das sage ich als französischer Soldat'".

Und weiter: "Im Triumphzuge wurde dann die Pferdedroschke von den Studenten, die sich plötzlich von allen Seiten auf das Fuhrwerk stürzten, nach einer Studentenkneipe im Quartier Latin geführt, wo einen Augenblick Rast gemacht wurde. Dann trabte Grasmus tapfer eine Stunde lang durch Paris im dichtesten Verkehrsgewühl nach dem deutschen Splendid-Hotel in der Avenue Carnot. Am Grabe des Unbekannten Soldaten wurde das gewaltige Monument umfahren, und Gustav zog ehrfürchtig seinen Zylinderhut. Später sagte der Präsident des Studentenkomitees in einer launigen Rede: ,Grasmus ist das Pferd des Friedens. Es hat die Augen von Briand und die Ohren von Stresemann.' "

Am 12.Juni, also nach einer Woche Aufenthalt in Paris mit unendlich vielen Ehrungen, Trinksprüchen und Jubelstürmen, beginnt die Rückfahrt nach Berlin. Dort kommt das Berliner Original am 12.September gegen 15.15 Uhr vor dem Ullstein-Gebäude in der Kochstraße an. Und die Morgenpost hat für eine besonders prominente Begrüßung gesorgt: Die populäre Schauspielerin Henny Porten empfängt den "Eisernen Gustav" in der Heimat. Der hat das Staunen während seiner fünfmonatigen Droschkentour nicht verlernt: "Sie kenn ick doch, ick habe Sie doch oft in meine Droschke in Wannsee jefahren." K.G.

 

© Berliner Morgenpost 2001 Sonntag, 12. Juli 1998